Unfall- und Straßen­verkehrs­recht

Wird man in einen Verkehrsunfall verwickelt, dann stets zum falschen Zeitpunkt. Mit dieser Ausnahmesituation konfrontiert gilt es dennoch, möglichst bereits an der Unfallstelle Maßnahmen zu treffen, die später die Klärung der Schuldfrage, der Haftung aus Betriebsgefahr und die Durchsetzung Ihrer Ansprüche bzw. die Abwehr zu unrecht geltend gemachter Ansprüche erleichtern. So sollten in der Regel ein Unfallprotokoll erstellt und die Polizei zum Unfall gerufen werden. Auch wenn die Polizisten Unfälle meist nur bei einem Personenschaden oder sonst strafrechtlich oder ordnungswidrigkeitenrechtlich relevantem Verhalten aufnehmen, kommen sie dann als Zeugen infrage.
Namen und Adressen von Zeugen sollten nach Möglichkeit notiert werden. Nicht nur bei schweren Verletzungen, sondern auch bei auf leichtere Verletzungen hindeutenden Beschwerden sollte möglichst noch am selben, gegebenenfalls am folgenden Tag ein Arzt konsultiert werden. Dadurch kann die für die Erlangung von Schmerzensgeld und anderen verletzungsbedingten Schadensersatzansprüchen häufig bedeutsame Beweisführung für die Ursächlichkeit zwischen Unfall und Verletzungsfolge (z.B. Schleudertrauma bzw. HWS-Distortion) unter Umständen erst ermöglicht werden.

Dann gilt es zu klären, ob Entschädigung für Nutzungsausfall beansprucht werden oder ein Mietwagen ("Leihwagen") genommen werden kann, und wenn ja, zu welchen Konditionen. Bei der Anmietung eines Mietfahrzeugs sollten die Grundsätze der Rechtsprechung zur Erstattungsfähigkeit von Mietfahrzeugen beachtet werden.

 

Des Weiteren - insbesondere auch abhängig von der Höhe der Reparaturkosten und den Verschuldensanteilen - muss entschieden werden, ob ein Gutachten eines (KFZ-) Sachverständigen oder ein Kostenvoranschlag eingeholt wird. Sind gegebenenfalls der Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs vor dem Unfall, der Restwert des Fahrzeugs nach dem Unfall, die Höhe der fiktiven Reparaturkosten (zzgl. einer eventuellen Wertminderung des Fahrzeugs nach Reparatur) durch Sachverständigengutachten festgestellt, können die Fragen, ob ein (wirtschaftlicher) Totalschaden vorliegt und ob das Fahrzeug reparaturwürdig ist, beantwortet und entschieden werden, ob repariert oder ein Ersatzfahrzeug angeschafft werden soll. Hierbei können Sie die Reparaturkosten selbst dann, wenn sie die Wiederbeschaffungskosten samt eventueller Wertminderung um maximal 130% übersteigen, unter bestimmten Voraussetzungen in vollem Umfang erstattet erhalten.

Bei Leasingfahrzeugen sind die entsprechenden Leasingbedingungen zu beachten.

Nicht nur bei zögerlichem Regulierungsverhalten der gegnerischen Haftpflichtversicherung, sondern insbesondere auch bei teilweiser Eigenhaftung kommt die Inanspruchnahme der eigenen Kaskoversicherung mit der Möglichkeit der Schadensabrechnung nach Quotenvorrecht in Frage. In manchen Fällen ist es zur Vermeidung einer Rückstufung des Versicherungsvertrags sinnvoll, statt der Vollkaskoversicherung nur die Teilkaskoversicherung in die Pflicht zu nehmen.

Nicht übersehen werden sollte auch, dass neben den oben genannten Schäden auch eine Vielzahl weiterer Schadenspositionen wie z.B. Abschleppkosten, Fahrtkosten, eine Pauschale für Unkosten, Standgeld, bei Totalschaden Kosten für die Abmeldung des verunfallten Fahrzeugs und die Anmeldung des Ersatzfahrzeuges samt neuer Kennzeichen, Haushaltsführungsschaden, Verdienstentgang, entgangener Gewinn, Arztkosten, Kosten für Physiotherapie, Zuzahlungen zu Behandlungen, Kosten für Heilmittel einschließlich Zuzahlung zu Medikamenten erstattungsfähig sind.